Face to Face
2024 / Bachelor
Handlungsräume als Interaktionslandschaft
Face to Face – Begegnung gestalten
Mit dem Einzug der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz auf das Dreispitz-Areal per Herbstsemester 2026 entsteht nicht nur ein neuer Studienort, sondern die Chance, Räume von Beginn an als soziale Infrastruktur zu denken. Im Projekt «Face to Face» widmen sich Studierende des 3. und 5. Semesters der Neugestaltung der Erdgeschossbereiche – jener Zonen, die Ankommen, Durchqueren, Verweilen und Begegnen zugleich ermöglichen, bevor man sich in die Lernräume in den Obergeschossen zurückzieht.
Wie lässt sich die soziale Komponente eines Neubaus bewusst mitgestalten? Wie können räumliche Interventionen Gespräche anregen, spontane Interaktionen fördern und ein positives Lernumfeld unterstützen? Ziel ist es, das Erdgeschoss nicht nur funktional zu organisieren, sondern als lebendige Bühne für Austausch und Gemeinschaft zu entwerfen.
Visualisierung Neubau HSW Dreispitz (Credits: E2A)
Wie Raum Verhalten prägt
Ausgangspunkt war die Frage, wie räumliche Gestaltung soziale Interaktion beeinflusst. In der Einführungswoche gab Dr. Theresia Leuenberger von der Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Einführung dazu, wie Menschen Räume nutzen, wie viel Nähe oder Abstand sie brauchen und wann sie sich zugehörig oder geschützt fühlen.
Methodisch arbeiteten die Studierenden mit Beobachtungen, Kurzinterviews, Ortsbegehungen und Kartierungen. Sie analysierten Bewegungsflüsse, Aufenthaltsqualitäten und Übergangszonen. Modelle, Skizzen und Verhaltensexperimente im öffentlichen Raum dienten dazu, Ideen diskutierbar zu machen.
Im Fokus stand die Balance zwischen Offenheit und Rückzug, zwischen Sichtbarkeit und Intimität. Es entstanden Konzepte, die grosszügige Begegnungsflächen ebenso untersuchten wie subtile, atmosphärische Eingriffe: räumliche Setzungen, Möblierungen oder Materialwechsel, die Nähe ermöglichen, ohne sie zu erzwingen.
Räume als soziale Akteure
Das Projekt verdeutlicht, dass Architektur nicht neutral ist. Räume strukturieren Handlungen, erzeugen Zugehörigkeit und beeinflussen, ob wir uns begegnen oder ausweichen.
Für die Studierenden bedeutete der Auftrag, die Relevanz von Zusammenkunft und Gebrauch frühzeitig in einem Neubauprojekt mitzudenken. Sie lernten, räumliche Entscheidungen nicht nur ästhetisch oder funktional zu begründen, sondern in Bezug auf soziale Dynamiken zu reflektieren: Wie viel Nähe ist produktiv? Wo braucht es Schutz? Welche materiellen Bedingungen fördern Austausch?
Dabei sind sehr unterschiedliche Gestaltungsansätze entstanden – flexibel, aneignungsfähig und offen für verschiedenste Bedürfnisse. Einer der Entwürfe veranschaulicht die Wichtigkeit, von barrierefreier Gestaltung, damit der Raum für alle nutzbar wird. Selbst minimale Eingriffe können grosse Wirkung entfalten. Ein anderer Ansatz hat sich hingegen mit dem Jungle die Natur als Vorbild genommen, und bricht die starre Architektur mit einer organischen Formsprache. Face to Face macht deutlich: Campusräume sind mehr als Verkehrsflächen oder Wartezonen.
- Dozent
André Haarscheidt
- Wissenschaftliche Assistenz
Jessica Serrano
- Studierende
Anaïs Gobet, Binia Dietz, Carmen Fust, Chiara Sarikaya, Fabienne Orsinger, Joyce Mani, Julia Schürch, Maria Gojevic, Maya Degenhardt, Naima Maow, Sophie Heimoz, Sophie Meyer, Tanja Wiese, Yulia Bogdanova
- Expert:innen
Dr. Theresia Leuenberger, Hochschule für angewandte Psychologie APS FHNW
Stefan Camenzind, Innenarchitekt, Evolution Design
René Leupi, Leiter Services & Infrastrukturen FHNW HSW Basel
Rolf Lauber, Leiter Services & Infrastrukturen FHNW Campus Olten