Become A Living Being Of The Future
2023 / Bachelor
Die Vergangenheit der Zukunft des Lebendigen – Vergegenwärtigung des Unvorstellbaren
Wenn der Mensch nicht die Hauptrolle spielt
Erdbeben und tektonische Verschiebungen, sowie Veränderungen im Erdklima haben in aufgebrochenen Erdschichten neuer Meerwasserküsten, Fossilien von Lebewesen, Organismen, unbekannten Lebensformen und Technofossilien freigelegt. Es handelt sich um Lebensformen und transformierte Geschöpfe, sogenannte «Living Beings» am Ende des Zeitalters des Anthropozän.
Im Semesterprojekt «Become A Living Being» befinden wir uns in einer sehr fernen Zukunft. Die Welt hat sich verändert und sich den heutigen Vorstellungen von Umwelt entzogen. Die Studierenden des 5. Semesters entwickeln spekulative Lebensformen, wo der Mensch keine zentrale Rolle mehr einnimmt.
Sara Thut mit ihrem Cybercoil
Vom Fossil zur Figur
Das Projekt verbindet zwei szenografische Medien: die bespielbare Figur und die visuelle Erzählung im Raum. Durch umfangreiche Recherchen zum Anthropozän, Materialexperimente sowie manuelle und digitale Entwurfstechniken entwickelten die Studierenden individuelle Figuren mit eigener Wahrnehmung, eigenen Verhaltensweisen und spezifischen Lebensräumen.
Der Prozess war experimentell fortlaufend angelegt: Gestalten, Spielen, Analysieren und Weiterentwickeln griffen kontinuierlich ineinander. Die Figur entstand im Dialog zwischen Material, Bewegung und Narration. Parallel dazu wurden Atmosphären und visuelle Settings erarbeitet, die das jeweilige Wesen in seiner Umwelt verorten.
Begleitet wurden die Studierenden durch Fachinputs aus Figurenspiel, Szenografie und Zukunftsnarrativen, die den gestalterischen Prozess um performative und diskursive Perspektiven erweiterten.
Welche Verantwortung trage ich als Gestalter:in?
Die Auseinandersetzung mit dem Anthropozän bedeutet, die Rolle des Menschen im ökologischen Gefüge neu zu denken. Statt Umweltveränderungen ausschliesslich aus einer distanzierten, menschlichen Perspektive zu betrachten, fordert das Projekt dazu auf, sich in andere Existenzformen hineinzuversetzen.
Durch diese spekulative und zugleich materialbasierte Arbeitsweise lernen die Studierenden komplexe ökologische, gesellschaftliche und philosophische Fragestellungen in räumliche Konzepte zu übersetzen. Sie üben Recherche und Intuition zu verbinden, narrative Konzepte zu entwickeln und diese formalästhetisch präzise umzusetzen.
Das experimentelle Format fördert nicht nur gestalterische Kompetenzen, sondern auch kritische Selbstreflexion: Wo stehe ich im Verhältnis zu Umwelt und Zukunft? Welche Verantwortung trage ich als Gestalter:in? Indem Zukunft nicht nur gedacht, sondern gebaut, gespielt und inszeniert wird, entsteht ein Lernfeld, das kritische Analyse und hoffnungsvolle Szenarien gleichermassen sichtbar macht – und Gestaltung als aktiven Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung versteht.
- Dozent
André Haarscheidt
- Wissenschaftliche Assistenz
Nela Weber
- Studierende
Chiara Sarikaya, Esther Spälti, Gianna Goldschmid, Lena Rollwage, Lisa Bertschinger, Maria Gojevic, Moa Bomolo, Morris Huggel, Muriel Brülisauer, Oriana Iseli, Sara Thut, Silvan Seifert, Sina Abrecht, Sinan Brenne, Sophie Borter, Yulia Bogdanova
- Expert:innen
Marius Kob, freischaffender Figurenspieler, Basel Patrick Gusset, Regiesseur und Theatermacher, Basel/Zürich