Everyone You’re Looking At Is Also You
2025 / Bachelor
Demokratie und Trauma – Eine Anhörung zwischen Erinnerung und Macht
Die Anhörung als Schwellenraum
Im Jahr 2025 suchten 25’781 Personen in der Schweiz Asyl. Hinter diesen Zahlen stehen keine abstrakten Fälle, sondern Menschen – Geschichten von Aufbruch und Abschied, von Verlust, Angst und der Hoffnung auf einen Neuanfang. Ein zentraler Moment ihres Verfahrens ist die Anhörung beim Staatssekretariat für Migration (SEM).
Hier werden Erinnerungen ausgesprochen, Erlebnisse in Worte gefasst und Fragen gestellt. Hier entscheidet sich, wie eine Geschichte gehört, verstanden und eingeordnet wird – und damit oft auch, welche Zukunft für diese Menschen möglich wird. Studierende des 3. und 5. Semesters widmen sich diesem sensiblen Setting und untersuchen den Anhörungsraum als Gefüge zwischen institutioneller Ordnung und menschlicher Verletzlichkeit. Dabei suchen sie nach geeigneten Formaten, um die Thematik sichtbar zu machen.
Projekt «Verhör t» von Fabienne Orsinger und Münevver Arslan
Institutionelle Abläufe im räumlichen Kontext
Ausgangspunkt des Projekts ist die Analyse der Anhörungspraxis aus räumlicher und szenografischer Perspektive. Durch Recherchen, Rollenspiele sowie persönliche Auseinandersetzungen mit Personen mit Fluchterfahrung näherten sich die Studierenden der vielschichtigen Dynamik dieses Ortes.
Begleitet wurden sie von den Theaterschaffenden Zarina Tadjibaeva und Julia Skof, die aus ihren langjährigen Erfahrungen als Dolmetscherin, Hilfswerkvertreterin und Protokollführerin Einblicke in die Mechanismen und Abläufe der Anhörung gaben.
Ziel war es, bestehende Strukturen nicht nur zu analysieren, sondern sie gestalterisch zu befragen und alternative Perspektiven auf die Abläufe zu eröffnen.
Gestaltung als Haltung
Der Anhörungsraum ist mehr als ein funktionaler Verwaltungsort. Er ist ein Gefüge, in dem Sprache, Macht und persönliche Geschichte unmittelbar wirksam werden.
Im Projekt setzen sich die Studierenden mit dieser gesellschaftlich relevanten Thematik auseinander und untersuchen, wie Gestaltung komplexe Inhalte sichtbar und zugänglich machen kann. Im Zentrum stehen das Experimentieren und die Entwicklung eines eigenständigen Schwerpunkts innerhalb des Themenfeldes.
Parallel dazu reflektieren die Studierenden, welche Bestandteile ein Projekt benötigt, um ein Anliegen präzise zu vermitteln. Inhalte werden strukturiert, Fragestellungen geschärft und geeignete Mittel gewählt, um eine klare Haltung erkennbar zu machen.
So entsteht ein Prozess, in dem Themen nicht nur analysiert, sondern aus einer inhaltlichen Position heraus weiterentwickelt und konkretisiert werden. Die entstandenen Interventionen laden dazu ein, genauer hinzusehen, aufmerksam zuzuhören und Perspektiven zu verschieben.
Projekt «Unmapped» von Victoria Njoki und Catalina De Angelis
- Dozent
Nader A. Taghavi
- Wissenschaftliche Assistent
Jessica Serrano
- Studierende
Aaron Grecu, Amely Shirin Schmitt, Andree Pun, Binia Dietz, Catalina De Angelis, Charles Tore Kutschinski, Dominik Jost, Elin Hess, Fabienne Orsinger, Gianna Goldschmid, Hannah Schütz, Lilly Gut, Luisa Brandenberg, Marie-Claire Larboulette, Marie-Louise Peyer, Michelle Hänggi, Münevver Arslan, Naima Maow, Sophie Heimoz, Sophie Meyer, Stella Fach, Timo Stahlberg, Victoria Njoki
- Expert:innen
Zarina Tadjibaeva, Julia Skof